SIQ! und AOK: Gemeinsamer Einsatz für  bessere Behandlungsqualität im Krankenhaus

 

Das Thema „Qualität im Krankenhaus“ war Schwerpunkt einer gemeinsamen Tagung der Stiftung Initiative Qualitätskliniken (SIQ!) und des AOK-Bundesverbandes, die am 18. und 19. Mai in Berlin stattfand. „Es kommt nicht alle Tage vor, dass Krankenhäuser und Krankenkassen gemeinsame Sache machen“, betonte Dr. Jens Schick, Geschäftsführer der SIQ!. „Aber beim Thema Qualität ziehen wir im Sinne der Patienten an einem Strang. Gemeinsam verfolgen wir das Anliegen, die Qualität der Versorgung im Krankenhaus für die Patienten zu verbessern und transparenter zu machen.“


Knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kliniken und Krankenkassen, aber auch Vertreter von Politik, Wissenschaft, Fachgesellschaften und Patientenorganisationen diskutierten auf dem SIQ! Kongress unter anderem über Verfahren zur Messung der Behandlungsqualität und zur Verbesserung der Patientensicherheit in Kliniken, über Qualitätsmanagement und qualitätsorientierte Vergütung. Ein weiteres Schwerpunktthema galt der Frage, wie die Qualitätsagenda des Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG) bisher in die Praxis umgesetzt wurde.


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eröffnete mit einem Grußwort den Kongress und betonte das Miteinander aller Akteure im Gesundheitsbereich für eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung. Mit Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen forderte er mit Nachdruck alle Beteiligten dazu auf, mutiger zu agieren. So könne die Digitalisierung zu einem wichtigen Qualitätstreiber werden. Die Länder müssten mehr Geld als bisher in den Neu- und Umbau der Krankenhäuser stecken, forderte Gröhe. Ausdrücklich ermunterte der Minister seine Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern, die Chancen zu nutzen, die sich durch die jüngste Krankenhausreform böten. Ziel müsse eine "intelligente, qualitätsgetriebene Arbeitsteilung" zwischen den Kliniken sein. Längere Fahrzeiten zum besseren Krankenhaus nähmen die Bürgerinnen und Bürger am Ende gewiss in Kauf, zeigte sich der Bundesgesundheitsminister überzeugt.


Ausdrücklich unterstützte Gröhe das Konzept der Mindestmengen für planbare komplexe Operationen. Mehr Routine bei Ärzten und Schwestern senke die Zahl der Komplikationen. Kein Patient wolle "das Montagsauto auf dem OP-Tisch" sein, so der Minister wörtlich.


Das Potenzial von Routinedaten für die Qualitätsmessung betonte SIQ! Geschäftsführer Prof. Ralf Kuhlen: "Diese Daten können uns trotz aller Limitationen wichtige Erkenntnisse für eine bessere Versorgung der Patienten liefern. Sie können zum Beispiel helfen zu erkennen, ob nach bestimmten Eingriffen häufig Komplikationen bei den Patienten auftreten." Ein besonders erfolgreicher Ansatz sei die Verbindung von Qualitätsmessung auf Basis von Routinedaten mit der praktischen Erfahrung der behandelnden Ärzte und der Expertise unabhängiger Fachleute in sogenannten Peer-Review-Verfahren. "Durch diese Kombination lässt sich die Qualität der Behandlung nachweislich verbessern, weil aus den Daten ganz konkrete Konsequenzen für die Arbeit der Klinik gezogen werden", berichtet Kuhlen. 


Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, richtete auf dem Kongress deutliche Worte an die Politik. "Der qualitätsbasierte Umbau der Krankenhauslandschaft als erklärtes Ziel des Krankenhaus-Strukturgesetzes ist noch nicht richtig in Fahrt gekommen", sagte Litsch. "Mehrere Länder haben bereits angekündigt, dass sie die bundesweit gültigen Qualitätsvorgaben nicht umsetzen wollen. So zerfasert dieser Teil der Reform schon, bevor er überhaupt gestartet ist."


Entscheidend sei am Ende, dass die Qualität bei den Patienten ankomme, betonte Litsch. Angesichts der schleppenden Umsetzung der Reform seien die Aktivitäten der Marktakteure zur Messung und Verbesserung der Behandlungsqualität im Krankenhaus umso wichtiger. "Wir müssen den Anspruch haben, eine treibende Rolle für eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten einzunehmen." Dafür engagieren sich die Kongresspartner laut Litsch gleichermaßen. Beim Thema Qualitätsmessung seien die unter dem Dach der Stiftung Initiative Qualitätskliniken zusammengeschlossenen Krankenhäuser ebenso aktiv wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mit seinem Verfahren zur Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR). Es ermöglicht eine Langzeit-Betrachtung von Behandlungsergebnissen bei Patienten über den eigentlichen Krankenhaus-Aufenthalt hinaus. "Das QSR-Verfahren geht weit über die derzeitigen Möglichkeiten der gesetzlichen Qualitätssicherung hinaus und ist damit einzigartig", so Litsch. Inzwischen nutzen zahlreiche Kliniken dieses Angebot für ihr Qualitätsmanagement.


Am zweiten Veranstaltungstag stellte Prof. Nikolas Matthes von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health and Press Ganey Associates das wertbasierte Kostenvergütungssystem aus den USA vor. Zusammen mit Prof. Thomas Mansky von der Technische Universität Berlin und Prof. Boris Augurzky, RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. diskutierte er die Übertragbarkeit des US-amerikanischen Hospital Value-Based Purchasing auf das deutsche Gesundheitssystem. Ein Vorteil eines solchen wert-bzw. qualitätsorientierten Vergütungssystems seien vor allem die Anreize, die qualitativ hochwertige Leistungen aber auch deutliche Verbesserungen schlechter Behandlungsqualität belohnen. Ein besonderes Augenmerk müsse jedoch auf die Risikoadjustierung und auf die Verhinderung einer Negativ-Selektion gelegt werden. Nur so könne für die Krankenhäuser ein faires Vergütungssystem etabliert werden, das eine gute Versorgung aller Patienten sicherstellt. Ob die Qualität in Zukunft eine größere Rolle in der Vergütung der Akutversorgung spielen soll, müsse jedoch in einem ersten Schritt gesundheitspolitisch entschieden werden.    


In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Georg Baum (Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V), Dr. Francesco De Meo (Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) der Helios Kliniken GmbH), Martin Litsch (Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes), Cornelia Prüfer-Storcks (Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg), Lutz Stroppe (Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit) und Dr. Christof Veit, (Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) den Umsetzungsstand der Qualitätsziele aus dem Krankenhausstrukturgesetz und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Referenten waren sich einig, dass die ersten Ergebnisse insbesondere zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren deutliche Anzeichen für eine stärkere Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen seien. Nun müsse gemeinsam an einer sinnvollen Weiterentwicklung der Konzepte und einer praktikablen Umsetzung gearbeitet werden. 

 
Der SIQ!-Kongress 2017 manifestierte eindrucksvoll das Engagement deutscher  Krankenhäuser zur Verbesserung von Qualität. Die etwa 600 Kliniken von IQM und Qualitätskliniken.de leisten hier Transparenz und Qualitätsarbeit über das vorgeschriebene Maß hinaus. Die interne und externe  Kommunikation und Transparenz von Qualitätsdimensionen birgt ein großes Potenzial, um Qualitätsprozesse nachhaltig zu verbessern. Beleg dafür waren u.a. der Themenschwerpunkt Peer Review zur Verbesserung der Behandlungsqualität sowie die innovativen Ideen und Projekte einzelner Kliniken zum Thema Qualitätsmanagement in der „Qualitätsarena“. Sie reichten von der Patienteninformation für Notfälle über Zählkontrollen im OP bis hin zu effektiven Trainingsmethoden mit Nintendo für MS-Patienten. Die besten Praxisbeispiele wurden am Ende des ersten Veranstaltungstages mit dem Publikumspreis prämiert.